IHS Markit Bau-Bericht: Gegenwind von allen Seiten: Geschäftstätigkeit in der Baubranche bleibt im November verhalten

Ergebnisse auf einen Blick:

  • Stärkster Rückgang der Neuaufträge seit drei Monaten
  • Kostendruck bleibt hoch
  • Zuwächse bei der Beschäftigung sind einziger Lichtblick

Deutschlands Bausektor kämpfte auch im November mit sinkender Bautätigkeit und rückläufigen Neuaufträgen, wie die neuesten Daten von IHS Markit signalisieren. Immerhin wurde beim Jobaufbau den dritten Monat in Folge ein Plus verbucht, womit sich zumindest hier der positive Trend fortsetzte.

Der saisonbereinigte IHS Markit Bau-Index – der die monatlichen Veränderungen der Aktivität im gesamten deutschen Baugewerbe in einem Wert zusammenfasst – notierte im November mit 47,9 Punkten nahezu unverändert gegenüber Oktober und damit immer noch unter der Wachstumsschwelle von 50,0. Dennoch ist das der beste Wert seit August 2020.

Zahlreiche Umfrageteilnehmer gaben an, dass die Pandemie ursächlich war für Störungen und Unterbrechungen. So kam es aufgrund von Krankheitsfällen, Covid-Tests und Impfungen vielerorts zu Personalengpässen. Die Bautätigkeit ging in allen drei erfassten Teilbereichen der Branche zurück.

Obgleich sich die Schrumpfungsrate auf den niedrigsten Stand seit Juli angeschwächt hat, blieb der Tiefbau der schlechteste Teilbereich. Der gewerbliche Bau rutschte nach geringen Zuwächsen im Oktober wieder in den roten Bereich und auch beim Wohnungsbau schlug erneut ein marginales Minus zu Buche.

Die Neuaufträge schrumpften im November so stark wie seit drei Monaten nicht mehr. Einige Befragte schrieben dies dem aktuell hohen Preisniveau zu, während andere auf Kapazitätsengpässe im Unternehmen hinwiesen.

Nach wie vor stehen die Preise in der Branche kräftig unter Druck, was zumindest teilweise an den erneut gestiegenen Kosten für Rohstoffe und Baumaterialien lag. So schwächte sich die Inflationsrate der Einkaufspreise gegenüber dem Allzeithoch von Juli zwar weiter ab, gehörte aber dennoch zu den höchsten seit Beginn der Datenerfassung. Die von Subunternehmern verlangten Preise zogen ebenfalls wieder kräftig an (wenngleich etwas weniger stark als zuletzt), was zum Teil auf den wiederholten Rückgang ihrer Verfügbarkeit zurückgeführt werden kann.

Auch im Baugewerbe sind die chronischen Materialengpässe mehr als nur ein vorübergehendes Problem. Diese treiben nicht nur die Preise in die Höhe, sondern führen auch zu Verzögerungen in der Zulieferung. So gab es im November zwar wieder viele Meldungen über längere Lieferzeiten, aber der entsprechende Index schwächte sich weiter von den Allzeithochs im zweiten Quartal ab.

Äquivalent zu den Trends bei Bautätigkeit und Auftragseingang ging auch die Einkaufsmenge ein weiteres Mal zurück. Das Minus war jedoch nur marginal und fast unverändert zum Vormonat.

Im Gegensatz dazu stieg die Beschäftigung erneut an. Zwar fiel die Zuwachsrate kräftiger aus als im September und Oktober, sie blieb aber insgesamt eher verhalten und deutlich unter den Werten, die unmittelbar vor der Pandemie gemessen wurden.

Der Geschäftsausblick hinsichtlich der erwarteten Auslastung über die kommenden zwölf Monate hat sich im November weiter verschlechtert. Demnach zeigten sich die Befragten so pessimistisch wie seit Juni nicht mehr. Nach wie vor drücken in erster Linie die hohen Preise, die anhaltenden Probleme in den Lieferketten sowie die weitere Entwicklung der Pandemie die Stimmung.

Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit kommentiert die aktuellen Umfrageergebnisse: “Die aktuellen Daten signalisieren, dass die Geschäftstätigkeit im deutschen Baugewerbe auch im November unterdurchschnittlich ausfiel. So blieb die Bautätigkeit insgesamt angesichts stärker zurückgehender Neuaufträge und weiterer Störfaktoren eher verhalten.

Viele Unternehmen haben weiterhin mit Kapazitäts- und Lieferengpässen zu kämpfen. Dies treibt nicht nur Kosten und Preise immer weiter in die Höhe, sondern macht es auch schwieriger, Neuaufträge zu bekommen. Die vierte Infektionswelle war ein weiterer Faktor, der die Geschäftstätigkeit merklich bremste, da zahlreiche Baufirmen aufgrund von Krankheitsfällen, Covid-Tests und Impfungen unter Personalmangel litten.

Bemühungen, die Kapazitäten zu erweitern, führten dazu, dass die Beschäftigung den dritten Monat in Folge wuchs. Allerdings zeigen die Umfrageergebnisse auch, dass es in der gesamten Branche nach wie vor an verfügbaren Subunternehmen mangelt. Dies spiegelt sich nicht nur in der geringeren Bautätigkeit wider, sondern auch im hohen Kostendruck angesichts steigender Subunternehmerraten.

Derweil erlitten die Geschäftsaussichten einen weiteren Dämpfer und sackten auf den niedrigsten Stand seit fünf Monaten ab. Die bekannten Probleme wie chronische Materialknappheit und steigende Kosten werden dabei von Besorgnis über die jüngsten Entwicklungen in der Coronavirus-Pandemie noch verschärft.”

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